Impfungen bei Katzen: Was Sie wissen sollten

Muss eine reine Wohnungskatze wirklich geimpft werden? Und wenn ja, gegen was? Diese Frage stellen uns Katzenbesitzer regelmäßig. Die Unsicherheit ist verständlich, denn im Internet finden sich sehr unterschiedliche Aussagen dazu.

Was sich klar sagen lässt: Bestimmte Erkrankungen sind für Katzen lebensgefährlich und können durch Impfungen wirksam verhindert werden. Welche Impfungen Ihre Katze braucht, hängt davon ab, wie sie lebt. Dieser Artikel erklärt, gegen welche Krankheiten geimpft wird, warum das auch für Wohnungskatzen relevant sein kann und wie ein sinnvoller Impfplan aussieht.

Was passiert bei einer Impfung?

Eine Impfung trainiert das Immunsystem Ihrer Katze, bestimmte Krankheitserreger zu erkennen und bei einem echten Kontakt schnell zu bekämpfen. Der Körper wird mit abgeschwächten oder inaktivierten Erregern konfrontiert, ohne die eigentliche Erkrankung durchzumachen. So entsteht ein Schutz, der im Ernstfall Leben retten kann.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Basisimpfungen, die für alle Katzen empfohlen werden, und Zusatzimpfungen, die je nach Haltungsform und Lebensumstand dazukommen können. Grundlage sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). Auch wir in der Tierarztpraxis im Rosenhof richten uns nach diesen Empfehlungen.

Basisimpfungen: Schutz für jede Katze

Die folgenden Impfungen werden für alle Katzen empfohlen, unabhängig davon, ob sie Freigang haben oder ausschließlich in der Wohnung leben.

Katzenseuche (Feline Panleukopenie) wird durch das Parvovirus ausgelöst und zählt zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten der Katze. Der Verlauf ist oft akut und geht mit hohem Fieber, schwerem Erbrechen und blutigem Durchfall einher. Besonders für Jungtiere endet die Erkrankung häufig tödlich, selbst bei intensiver Behandlung. Das Virus ist extrem stabil in der Umwelt und kann auch in Wohnungen gelangen, etwa über Schuhe oder Kleidung.

Katzenschnupfen ist kein harmloser Schnupfen. Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung, an der mehrere Erreger beteiligt sind, vor allem das Herpesvirus und das Calicivirus. Die Folge ist eine schwere Entzündung der Atemwege mit Niesen, Nasenausfluss, Augenentzündungen und Fieber. Problematisch ist, dass das Herpesvirus nach einer Infektion ein Leben lang im Körper bleibt und bei Stress immer wieder ausbrechen kann. Die Impfung reduziert das Risiko einer schweren Erkrankung deutlich, auch wenn sie keinen vollständigen Schutz vor jeder Infektion bietet.

Tollwut verläuft nach Ausbruch der Symptome immer tödlich, bei Katzen wie bei allen Säugetieren einschließlich des Menschen. In Deutschland gilt Tollwut seit 2008 als ausgerottet. Die Impfung wird von der StIKo Vet dennoch empfohlen und ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn Sie mit Ihrer Katze ins Ausland reisen.

Zusatzimpfungen: je nach Haltungsform

Nicht jede Katze braucht die folgenden Impfungen. Ob sie für Ihre Katze sinnvoll sind, hängt von ihrer Lebensweise ab.

Feline Leukose (FeLV) ist eine durch das Feline Leukämievirus ausgelöste Erkrankung des Bluts. Das Virus wird durch engen Kontakt übertragen, etwa beim Kämpfen, gegenseitigen Putzen oder über gemeinsame Näpfe. Viele infizierte Katzen entwickeln schwere chronische Erkrankungen. Eine Impfung ist vor allem für Katzen mit Freigang empfehlenswert. Bei reinen Wohnungskatzen ohne Kontakt zu anderen Katzen ist das Risiko geringer.

Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine schwere Erkrankung, die durch eine Mutation von Coronaviren im Körper der Katze ausgelöst wird. Der Verlauf ist ohne Behandlung fast immer tödlich. Eine Impfung ist verfügbar, ihre Wirksamkeit wird unter Fachleuten jedoch unterschiedlich bewertet. Ob sie für Ihre Katze sinnvoll ist, besprechen wir individuell mit Ihnen.

Wie sieht der Impfplan aus?

Der Impfplan richtet sich nach dem Alter und der Haltungsform Ihrer Katze.

Grundimmunisierung bei Kitten

Tabelle kopieren

AlterImpfung
8 WochenKatzenseuche, Katzenschnupfen
12 WochenWiederholung Katzenseuche und Katzenschnupfen, ggf. Tollwut und Leukose
16 WochenAbschluss der Grundimmunisierung

Der dritte Termin mit 16 Wochen ist wichtig. Antikörper, die das Kitten über die Muttermilch aufgenommen hat, können den Impfstoff in den ersten Lebenswochen teilweise blockieren. Erst mit der dritten Impfung ist sichergestellt, dass das Immunsystem zuverlässig angesprochen hat.

Auffrischungen

Tabelle kopieren

ImpfungIntervall
Katzenseuchealle zwei bis drei Jahre
Katzenschnupfenjährlich
Tollwutalle ein bis drei Jahre
Leukosejährlich

Nicht jede Katze muss jedes Jahr dieselbe vollständige Impfrunde durchlaufen. Ein jährlicher Check hilft, den Überblick zu behalten und nur die Komponenten aufzufrischen, die aktuell fällig sind.

Was ist vor und nach der Impfung wichtig?

Vor der Impfung sollte Ihre Katze klinisch gesund sein. Bei akuten Erkrankungen, Fieber oder laufenden Behandlungen mit bestimmten Medikamenten kann die Impfung verschoben werden. In der Praxis wird Ihre Katze vor der Impfung kurz untersucht, um sicherzustellen, dass sie den Termin gut verträgt. Kitten sollten außerdem vorab entwurmt sein, da Parasitenbefall das Immunsystem belastet und die Impfantwort schwächen kann.

Nach der Impfung kann Ihre Katze für ein bis zwei Tage etwas ruhiger sein oder an der Einstichstelle eine leichte Schwellung zeigen. Das ist eine normale Reaktion des Immunsystems und klingt in der Regel schnell ab.

Sollten Sie beobachten, dass Ihre Katze stark lethargisch wird, erbricht, sich auffällig verhält oder eine Schwellung sich vergrößert, nehmen Sie bitte sofort Kontakt zu uns auf. Solche Reaktionen sind sehr selten, sollten aber ernst genommen werden.

Wohnungskatze oder Freigänger: Was ändert sich?

Auch reine Wohnungskatzen brauchen Impfschutz. Erreger wie das Parvovirus oder Schnupfenviren können über Kleidung, Schuhe oder neue Tiere in die Wohnung gelangen. Die Basisimpfungen gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen sind deshalb auch für Wohnungskatzen sinnvoll.

Für Freigänger kommen Leukose und Tollwut als zusätzliche Impfungen in Frage. Welche Kombination für Ihre Katze passt, besprechen wir gerne mit Ihnen.

Häufige Fragen

Muss ich meine Wohnungskatze wirklich impfen lassen? Ja, zumindest gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen. Diese Erreger können auch in Wohnungen gelangen. Der Schutz lohnt sich.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die erste Impfung? In der Regel ab der achten Lebenswoche, wenn der Nestschutz der Mutter nachlässt. Bei Kitten aus dem Tierheim oder vom Züchter sollte der Impfstatus beim ersten Besuch besprochen werden.

Ist die Impfung gefährlich? Schwerwiegende Impfreaktionen sind selten. Das Risiko einer Impfung ist in den allermeisten Fällen deutlich geringer als das Risiko der Erkrankung, gegen die sie schützt.

Kann meine Katze trotz Impfung krank werden? Impfungen bieten keinen hundertprozentigen Schutz, reduzieren aber das Risiko einer schweren Erkrankung und mildern den Verlauf im Ernstfall deutlich.

Braucht auch eine ältere Katze noch Impfungen? Ja. Das Immunsystem wird mit dem Alter schwächer, weshalb gerade bei älteren Katzen ein aktueller Impfschutz wichtig ist.

Termin vereinbaren

Haben Sie Fragen zum Impfschutz Ihrer Katze oder möchten Sie den Impfstatus überprüfen lassen? Rufen Sie uns an oder vereinbaren Sie einen Termin in unserer Praxis in Mühlhausen. Wir beraten Sie gerne.


Dieser Artikel dient der Information und ersetzt nicht das persönliche Gespräch mit Ihrem Tierarzt. Bei Fragen oder Unsicherheiten kontaktieren Sie uns bitte.